Gotthard-Basistunnel: Angebote bewähren sich

Seit 11. Dezember ist der Gotthard-Basistunnel im fahrplanmässigen Betrieb. Bis Ende April sind 7024 Personen- und 10 706 Güterzüge durch den längsten Eisenbahntunnel der Welt gefahren, maximal 165 pro Tag. An Werktagen verkehren bis zu 120 Güterzüge durch den Gotthard-Basistunnel. Im Personenverkehr hat sich die Nachfrage im Intercity- und Eurocityverkehr um rund 30 Prozent erhöht. Der neu lancierte Gotthard Panorama Express erfreut sich grosser Beliebtheit, während die Nachfrage auf der Panoramastrecke generell stark zurückgegangen ist. Die Pünktlichkeit auf der Gotthardachse hat sich verbessert. Dennoch besteht Handlungsbedarf, namentlich beim Verkehr aus Italien. Dieses Handlungsfeld gehen SBB und der italienische Netzbetreiber RFI in enger Partnerschaft an, wie Philippe Gauderon, Leiter SBB Infrastruktur, und Giampiero Strisciuglio, Leiter Netzbetrieb RFI, an einer Medienkonferenz bekräftigten.

Mit der Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels (GBT) hat die SBB am 11. Dezember 2016 ein komplexes Jahrhundertprojekt erfolgreich ins Bahnnetz integriert. Der Bahnbetrieb verläuft grundsätzlich sicher, zuverlässig und pünktlich. Von den insgesamt 17 730 Zügen, die seit Inbetriebnahme bis Ende April auf der Gotthardachse verkehrten, fuhren 99 Prozent regulär durch den GBT. 35 Personen- und 7 Güterzüge mussten aufgrund von Störungen über die Gotthard-Panoramastrecke umgeleitet werden.

Auch die sehr grosse Nachfrage an den Ostertagen wurde mit 29 zusätzlichen Zügen und zusätzlichem Personal an den Bahnhöfen der Gotthardachse gut bewältigt. Der Fahrplan ist dank Fahrzeitreserven von bis zu acht Minuten stabil. Die Pünktlichkeit im Personenverkehr stieg mit der Inbetriebnahme des GBT von 81,0 auf 87,5 Prozent; die Anschlusspünktlichkeit in Arth-Goldau erhöhte sich von 94,4 auf 97,4 Prozent. Auch auf der Gotthard-Panoramastrecke ist die Betriebslage stabil, die Pünktlichkeit beträgt nahezu 100 Prozent. Die Anlagen im GBT und auf den neu gebauten Zulaufstrecken laufen stabil.

Gemeinsam für noch mehr Pünktlichkeit

Die Pünktlichkeit auf der Gotthardachse hat sich bereits verbessert. Sie soll weiter verbessert werden, indem die Zuverlässigkeit des Rollmaterials und der Anlagen erhöht wird. Die Anstrengungen konzentrieren sich zudem auf den Fahrplan der internationalen Züge – ein Thema, das die italienische Netzbetreiberin RFI und die SBB zusammen angehen werden, wie Giampiero Strisciuglio, Leiter Netzbetrieb RFI, und Philippe Gauderon, Leiter SBB Infrastruktur, anlässlich einer Medienkonferenz in Arth-Goldau bekräftigt haben.

Personenverkehr: Angebotskonzept funktioniert

Die Kunden im Personenverkehr profitieren mit dem GBT von rund 30 Minuten kürzeren Reisezeiten. Entsprechend ist die Nachfrage zwischen der Deutschschweiz und dem Tessin um rund 30 Prozent gestiegen im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres. Durchschnittlich sind täglich rund 9600 Reisende durch den GBT unterwegs (inkl. Weihnachts- und Osterverkehr). Erfreulich war auch die grosse Nachfrage über die Ostertage im Nord-Süd-Verkehr. Mit mehr als 46 000 Fahrgästen. Auf der Gotthard-Panoramastrecke ist die Betriebslage stabil,. Die Frequenzen sind nach der Inbetriebnahme des GBT wie erwartet zurückgegangen. Gegen 500 Reisende nutzen aktuell pro Tag die klassische Panoramastrecke. Um die grössere Nachfrage der Ausflugsaison zu berücksichtigen, verkehrt seit Mitte April bis Ende Oktober an Wochenenden und Feiertagen der sogenannte „Gotthard-Weekender" als zusätzlicher Zug von Zürich über die Panoramastrecke nach Bellinzona und zurück. Als neue Panoramareise ist zudem auch der Gotthard Panorama Express an Ostern erfolgreich gestartet: Dieses attraktive Kombi-Angebot aus Panoramazug und Dampfschiff verkehrt von April bis Oktober 2017 an den Wochenenden und allgemeinen Feiertagen sowie ab Juli täglich.

Basierend auf ersten Erfahrungen wird das Angebot durch den GBT laufend angepasst: National liegt der Fokus auf der Einführung einer frühen Direktverbindung ab Basel – Luzern ins Tessin am Vormittag vor 10 Uhr. Für den Verkehr an Auffahrt und Pfingsten sowie weitere unterjährige Verkehrsspitzen (z.B.: Sonntagabend vom Tessin in die Deutschschweiz) werden mehr Züge eingesetzt. Auch das Angebot über die Panoramastrecke wird erweitert: Neu werden ab dem Fahrplan 2018 zwei Zugspaare ganzjährig an den Wochenenden nach Göschenen geführt.

Auch im internationalen Verkehr soll das Angebot ausgebaut werden. Im Fokus stehen dabei häufigere Verbindungen nach Italien und zusätzliche Destinationen über Milano hinaus. Die SBB ist dazu in engem Kontakt mit ihren Partnern.

Güterverkehr läuft planmässig

Im Güterverkehr auf der Gotthardachse können die vorgegebenen Durchfahrtszeiten eingehalten, teilweise sogar unterschritten werden. Nach dem saisonal bedingt geringen Verkehrsaufkommen der ersten Betriebswochen hat der Güterverkehr seit Februar 2017 die regulären Mengen erreicht. An Werktagen verkehren bis zu 120 Güterzüge durch den GBT. Diese transportierten rund 67 000 Nettotonnen pro Werktag, was 5576 eingesparten LKW-Fahrten entspricht. Die durch Bauarbeiten beschränkte Trassenkapazität auf der Gotthardachse von aktuell 170 Güterzügen ist zu rund 67 Prozent ausgeschöpft. Die volle Leistungsfähigkeit des Güterverkehrs mit 260 Zügen pro Tag und einer Zuglänge von 750 Metern wird mit der Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnels sowie des 4-Meter-Korridors Ende 2020 erreicht.

Über die Grenzen unterwegs

Die italienischen Bahnstrecken, die in die Schweiz führen und Teil des Güterkorridors Rhine-Alpine sind, erfahren laut Giampiero Strisciuglio in den nächsten Jahren folgende Kapazitätssteigerung:

  • Profilanpassungen der Bahnstrecken für den Transport von Sattelaufliegern mit vier Metern Eckhöhe (4-Meter-Korridor)
  • Anpassungen der Bahninfrastruktur an den europäischen Standard und von 750 Metern Länge für Güterzüge.
  • Einführung der Führerstandsignalisierung ETCS Level2.

Diese Elemente bilden die Basis für die Interoperabilität zwischen den verschiedenen europäischen Bahnunternehmen und erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit des Güterverkehrs.

Wenn diese Anpassungen sowohl in Italien als auch in der Schweiz abgeschlossen sind und der Ceneri-Basistunnel in Betrieb ist, beträgt die Kapazität zwischen den beiden Ländern 390 Güterzüge pro Tag – im Vergleich zu den 290 Zügen von heute. Künftig sollen 170 Züge über die Achse Chiasso fahren, 90 über Luino und 130 über die Achse Domodossola.

Voraussichtlich im Dezember 2017 geht gemäss RFI die neue Linie zwischen Arcisate und Stabio in Betrieb. Sie wird Varese mit dem Kanton Tessin und Como verbinden. Die neue Linie ermöglicht eine direkte Anbindung des internationalen Flughafens Milano Malpensa an zahlreiche Städte in der Süd- und Zentralschweiz. Zudem werden die Güterverkehrslinien durch den Simplon und den Gotthard dank dem Bahnknoten in Gallarate verbunden.

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